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Förderkreis Galerie 21 e.V.
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Neues aus dem Chaos entstehen lassen
(Fuldaer Zeitung, 15. März 2017)
 

Fulda

Die künstlerische Philosophie von Sibylle Burrer ist ebenso radikal wie faszinierend: „Das Geordnete muss ins Chaos fallen, damit Neues entstehen kann“, erklärt die Pforzheimerin. Ihre Skulpturen und Zeichnungen, die jetzt auf der Kunsttreppe des Förderkreises Galerie 21 in Fulda zu sehen sind, belegen überzeugend die Umsetzung ihres künstlerischen Dogmas.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Feuerstein

Die Karriere der 56-jährigen Sibylle Burrer begann mit einer Steinmetzlehre. Es folgten das Architekturstudium mit Diplomabschluss an der Universität Stuttgart, Unterricht in der Bildhauerei sowie die Arbeit in einem Architekturbüro. Dann entschloss sich Sibylle Burrer, den festen Job gegen ein unsicheres Leben als freischaffende Künstlerin einzutauschen. Aus der Ordnung des Alltags wurde das selbst gewählte Chaos.

Und der riskante Schritt in eine neue, interessante Lebensphase sorgte für Kunstwerke von ganz eigenem Charakter, die ihr Motto widerspiegeln. Geprägt vom Natursteinwerk ihres Vaters im württembergischen Maulbronn schuf sie Plastiken, bei denen die im Steinbruch erlebbaren festen und geschlossenen Formen geradezu ins Auge springen, wie Klaus Becker als Laudator bei der Vernissage in den Räumen der Fuldaer Delikatesshandlung Trüffel (Von-Schildeck-Straße 21) erläuterte. Kompakte geometrische Körper werden aufgeschnitten, aufgelöst in Bänder, die nur noch entfernt an die vorher geschlossene Form erinnern. Aus dem chaotischen Gewirr von Stahlbändern entstehen neue Formen.

Von diesen Arbeiten sind einige kleinere Stücke auf der Kunsttreppe zu sehen. Dominiert wird die Ausstellung aber von farbigen Zeichnungen, auf denen formale Gegensätze wie Bewegung und stehende Formen zu erkennen sind, aber auch schwarze Flächen aus mehreren Schichten mit Bleistift aufgetragen. Für Becker zeigen die farbigen Zeichnungen durch Versatzstücke von Architektur Ruhepunkte, während Figuren wir Wirbelstürme durch den Raum tanzen.

Die Zeichnungen entstehen vor und nach den Arbeiten mit Skulpturen, vorbereitend oder reflektierend, sind aber eigenständige Kunstwerke, wie die groß gewachsene, schlanke Künstlerin erläuterte. Für sie ist Bewegung „etwas ganz Herrliches und so wie sich das Blut in meinen Adern bewegt und auch die Wirbelsäule ein wichtiger Körperteil ist, liebe ich das Tanzen!“ Dabei faszinieren sie Gegensätze, „die im Dialog stehen“. Durch ihre Werke sollen sich die Betrachter von der Leichtigkeit und Bewegung, die auf den Zeichnungen eingefangen sind, anregen lassen.

Der Vorsitzende des Förderkreises, Pedro Herzig zeigte sich in der Begrüßung zuvor erfreut, eine Künstlerin in Fulda vorstellen zu können, die in der deutschen Kunstszene einen anerkannten Platz habe. Die ausgestellten Werke sind verkäuflich. Die Ausstellung läuft bis Mitte Mai.

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Arbeiten von Kurt J. Feldmann

Die Ausstellung geht bis Ende November 2019.