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Kunst und Genuss verbunden
(FZ, 09.12.2000)

 

Der Fuldaer Künstler Franz Erhard Walther gestaltete ein Weinetikett für den Prinzen von Hessen
 
Kunst, Genuss und Kommerz sind keine Gegensätze. Dass sie sich harmonisch ergänzen können, hat jetzt der aus Fulda gebürtige Künstler Franz Erhard Walther gezeigt, indem er die „99er Riesling Spätlese trocken“ des Johannisberger Weinguts „Prinz von Hessen“ mit einer begrenzten Auflage von 100 nummerierten und signierten Etiketten aufwertete.

 
Dass eine solche Aktion nicht unter dem Niveau eines arrivierten Objekt-Künstlers ist, beweisen laut Walther nicht nur große Vorläufer wie Miro, Matisse und Chagall, auch viele bekannte Zeitgenossen – selbst Joseph Beuys gehörte dazu – verwirklichen sich auf Flaschen, deren Inhalt bei Weinkennern durchaus den Ruf genießt, selbst ein flüssiges Kunstwerk zu sein. „Man ist immer wieder mit solchen Anliegen an mich herangetreten“, erläutet Walther. So habe er 1996 ein Label für den SPD-Politiker Björn Engholm entworfen, der zusammen mit Freunden einen Weinberg im Rheingau besitzt. Auch für Weinbauern in Remsthal bei Stuttgart hat er einen Wein mit einem Etikettenentwurf geadelt. Die Winzer hatten ihm vorher mit dem Bau einer Trockenmauer für eigene künstlerische Ambitionen geholfen.
 



Die Idee für die aktuellen Etiketten kam Franz Erhard Walther bei einem jener Abende in der Heimat, die er besonders schätzt: Bei Freunden in Langenbieber unterhielt man sich über eine künstlerisch gestaltete Flasche, die auf den Tisch kam. Man war sich schnell einig, dass so etwas auch einmal in Fulda mit einem Wein möglich sein sollte, der eine besondere Beziehung zur Heimatstadt Walthers hat. Der Künstler präsentierte schon bald mehrere Entwürfe, und die Freunde suchten einen aus, der jetzt die 99er Spätlese schmückt.


„Nein, zu schade bin ich mir für so etwas nicht“, bekennt Franz Erhard und gibt gleich die Erklärung: „Ich trinke ja auch selbst gerne Wein.“ Aber zur Vorstellung seiner jüngsten Edition am Samstag im Delikatessenladen „Trüffel“ in Fulda kann er nicht kommen. Zu viele Projekte drängen auf Fertigstellung: Ein Kulturgästehaus im emsländischen Meppen wurde von dem Fuldaer entworfen und verwirklicht. Dazu gehört die Gestaltung des umgebenden Parks mit acht großformatigen Skulpturkörpern. Das Gesamtkunstwerk soll im kommenden Frühjahr eingeweiht werden.

Schon am 15. Dezember wird ein Buch Walthers mit dem Titel „Orte der Entstehung – Orte der Wirkung“ in Nordhorn vorgestellt. Metaphern für Walthers Atelier und den öffentlichen Raum. Auf 300 Seiten enthält es Ausstellungspläne des Künstlers von 1962 bis heute mit aufwendigen Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen. Dazu gehören auch die ersten größeren Ausstellungen in Fulda 1962 und 1964 in der Galerie Junge Kunst in der alten Winfriedschule.

 
Im Museum für moderne Kunst in Frankfurt werden im kommenden Jahr Kenner in einer Ausstellung den ersten Werksatz des Künstlers mit Wortbildern von 1957 und 1958 sehen können. Eine Publikation mit allen Wortbildern wird im Frühjahr in Genf vom „Musee d´Art moderne et contemporaire“ herausgegeben. Eine Ausstellung mit seinem Werkzyklus wird in 2001 auch das Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg – europäisches Zentrum für Plastik und Skulptur – präsentieren. Dort wird auch eine aufwendige, von der Kulturstiftung der Deutschen Bank finanzierte Publikation vorgestellt mit Werken des Fuldaer Künstlers. Ihr Titel: „Das Alphabet der Skulptur“.

 
Schließlich wird Ende nächsten Jahres auch in Frankreich bei der „Fondation regional d´Art contemporaire“, Rennes, in der Bretagne eine Monografie über das Gesamtwerk Walthers erscheinen.

 
Dennoch vergisst der bei Hamburg lebende Künstler die Heimat nicht. Längst hat er die Idee der Weinetiketten weitergedacht und stellt sich einen Zyklus vor, der an seine Werkgeschichte erinnert. Schon das erste Weinwerk stellt ihn selbst in einer frühen Schaffensphase seiner Fuldaer Zeit dar. „Es macht Spaß, so etwas mit der Rückschau auf das eigene Leben zu verbinden: Eine bestimmte Lichtsetzung, der Kamerablick und die freie Farbwahl stehen für die Leichtigkeit, die ich mit dem Weintrinken verbinde. Meine Kunst ist ja schließlich auch experimentell“, erläutert und rechtfertigt Walther den Ausflug in die Welt des Genusses. „Beuys hat seinerzeit eine politische Aktion mit dem Motto „Verteidigt die Natur“ aus seinem Weinetikett gemacht. Soweit will ich nicht gehen, aber bei einer signierten Auflage von 100 Stück ist die Flasche mehr als ein Behälter. Man kann sie austrinken und als Kunstobjekt aufheben. Die schönste Art, Kunst und Genuss zu verbinden.“

 
Wer interessiert ist, kann die Flaschen samt Inhalt und Etikett für 40 Mark in der Weinhandlung „Trüffel“, Von-Schildeck-Straße 21 in Fulda, erwerben.
 
(Volker Feuerstein, FZ, 19.11.2000)
 




Franz Erhardt Walther
Franz Erhard Walther (November 2003)
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Franz Erhard Walther (November 1999)
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Weinetiketten für Kunstkenner
(FZ, 05.12.2003)

Walther und die Erinnerung
(FZ, 03.12.2002)

Die Weinflasche als Kunstform
(FZ, 13.12.2001)

Bereits im Dezember...
(Rheingau Echo, 24.01.2001)


Download Franz Eberhard Walther Presse 09_2000 (PDF)



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Die Ausstellung läuft bis Ende 2018.